Sudhagen 1803 bis 2003 Streiflichter aus den Chroniken

(von Msgr. Gerhard Krems in der Festschrift zum 50. Vereinsjubiläum der Schützenbruderschaft St. Heinrich Sudhagen e.V.)

Die jetzt fünfzigjährige Geschichte der Schützenbruderschaft ist eingebettet in die Geschichte des Heimatortes. Was man über die früheren Zeiten weiß, ist in dem Beitrag von Manfred Köllner aufgeschrieben. Eine zuverlässige Geschichte der letzten 200 Jahre gibt es bisher nicht. Hier können daher nur “Streiflichter” geboten werden, die im Wesentlichen der Gemeindechronik mit all ihren Zufälligkeiten, zeitgebundenen Betrachtungsweisen und natürlich auch Irrtümern, entnommen sind. Ein besonderes Problem ist dabei, dass es einerseits das Siedlungsgebiet “Sudhagen” gibt, dass im heutigen Selbstbewusstsein der Bewohner und in der Kirchengemeinde St. Elisabeth eindeutig da ist, andererseits die Gesamtgemeinde “Hagen”, die heute als Ortsteil der Stadt Delbrück weiter besteht, aber nie ein einheitliches Gebilde gewesen ist. Es gab und gibt bis heute viele Überschneidungen, wobei Sudhagen eher ein eigenes Profil zu haben schien, von Nordhagen aber erstaunlich häufig wichtige Einflüsse ausgingen. Von den Ortsschildern ist der Name “Sudhagen” seit 1975 verschwunden. Umso zäher hält er sich in den Fragen zahlloser orientierungsloser Autofahrer, die mitten im Dorf nach “Sudhagen” fragen. Manches wird auch im Folgenden unklar bleiben, weil es eben nicht nur einfach ein “Hagen” gibt. – In diesem Bericht sind im Allgemeinen die Personennamen nicht mit genannt, weil dafür sorgfältigere Nachforschungen notwendig wären.

Es war einmal…………

Es muss um das Jahr 1818 gewesen sein, als sich in einem der Häuser zwischen Haustenbach und Grubebach einer hinsetzte, große handgeschöpfte Papierblätter auf den Eichentisch legte, den Federkiel mit Eisengallustinte füllte und dann auf den ersten Bogen schrieb: “Chronik der Gemeinde Sud- und Nordhagen mit 1800 anfangend.” Damit kam der Schreiber einer ”Verordnung und Bekanntmachung der Königlichen Regierung zu Minden” vom 12. Dezember 1817 nach, die vorschrieb, dass in jeder Gemeinde “alle merkwürdigen, die Gemeinde betreffenden Begebenheiten aufzuschreiben” seien und dass dabei “Wahrhaftigkeit, einfache Darstellung, reine Beschränkung auf die Thatsache, ohne alle Einmischung von Privat-Ansichten, und ohne allen nicht zur Sache gehörigen Wortkram” zu beachten seien.

Zuerst sollten die Ereignisse seit 1800 aufgeschrieben werden. Und die waren in der Tat aufregend genug. Noch nie habe es in der Vergangenheit so gewaltige Veränderungen gegeben. Denn aus den glücklichen Bewohnern des Delbrücker Landes im Fürstbistum Paderborn waren am 3.August 1802 preußische Untertanen geworden.

Und so schrieb sich der Chronist erst einmal vom Herzen, wie schön das doch gewesen sei mit dem Delbrücker Recht. Es erschien wie ein fernes, nun untergegangenes Paradies der Freiheit. Denn keiner hatte den Delbrücker Landschöffen etwas dreinzureden, nicht der Graf von Rietberg und nicht der Bischof in Paderborn. Nur den Zehnten von der Ernte, den mussten sie natürlich in die Scheunen des Bischofs und des Rietbergers bringen.

So schön wie es war: nach 1802 wurde alles ganz schlimm. Erst die Preußen und dann die Franzosen mit ihrem Königreich Westfalen. Sie gaben in allem den Ton an, benannten alles neu und änderten so Vieles, sogar die Wege, die sie auf die Kirchturmspitzen ausrichteten. Und als die Franzosen nach der großen Schlacht bei Leipzig endlich weggejagt wurden, kamen die Russen. 1400 Mann und 101 Pferde ließen sich in der Gemeinde Hagen nieder und nahmen vieles eigenmächtig mit. Am 1. November 1814 gab es noch einmal einen Kampf zwischen den fliehenden Franzosen und den sie verfolgenden Russen zwischen Ringboke und Hagen. Zwei Franzosen kamen dabei ums Leben. Dann war die Kriegszeit zu Ende, aber das Elend noch lange nicht. Nach starkem Mißwuchs auf den Feldern habe es eine große Hungersnot 1816 und 1817. “Das Elend war groß, eine ungeheure Menge Armer schrie nach Lebensmitteln.”

Mit Sorgen in die Zukunft

In Hagen lebten zu dieser Zeit “594 Seelen….sämtlich katholischer Religion.” Es gab noch keine Kirche, seit 1816 aber eine Schule. Bis dahin wurden die Kinder “bald in dieser, bald in jener Stube unterrichtet”. Die Schulen waren es dann auch, die immer wieder an anderen Standorten, Besorgnisse auslösten und neue Überlegungen notwendig machten. Als um 1830 eine Schule in Nordhagen gebaut wurde, fürchteten viele, dass die Gemeinde lange unter den Kosten würde leiden müssen.

Langsam änderten sich die Zeiten. 1831 gab es die erste große Katastervermessung, das Nordhäger Bruch mit 547 Morgen wurde aufgeteilt, die alten “Gemeinheits-Rechte” verschwanden. (Besonders die Heuerlinge hatten das Nachsehen. Sie hatten keine Rechte mehr an der “Allmende”: die Möglichkeiten zur Schafhude, zum Plaggenstechen, zur Anlage von Rötegruben für die Verarbeitung von Hanf und Flachs, zur Sand- und Lehmentnahme waren dahin. Aber auch die Bauern, denen in der Spezialteilung Ländereien aus der “Gemeinheit” zugesprochen wurden, sahen mehr die Abgaben, die verlangt wurden, als die Verbesserung für ihre Höfe.) Die Sorgen blieben. Und so konnte der Chronist meist nur dürftige Ernten, die Klage über vielerei Abgaben und Steuern, eine Währungsumstellung, Hagelschläge und andere Unwetter in die Chronik schreiben. Das gefiel der Obrigkeit nicht. Als 1842 die Chronik von Hagen dem Landrat in Paderborn vorgelegt wurde, schrieb dieser voll Zorn: “Die Chronik ist bis hierhin voll Unsinns und gar nicht revisionsfähig. Es ist unmöglich, dass dergleichen Aufzeichnungen den Nachkommen überliefert werden:”

Ein Landrat kommt in Sudhagen zu Tode

Auch in den folgenden Jahren sind die Aufzeichnungen von Ereignissen in Hagen nicht sehr ergiebig.

Nach 20jähriger Unterbrechung hat Gemeindevorsteher Grante im Jahre 1868 die Aufzeichnungen nachgeholt.

Wichtig war ihm die Revolution von 1848 in Berlin, die dann zur neuen konstitutionellen Verfassung von 1849 führte. Und so wurden 1850 “sämtliche Beamte des Reiches und Spitzen der Geistlichkeit und auch die Lehrer auf die neue Verfassung beeidigt. In Delbrück geschah dies am 6. April.” Es gibt Nachrichten vom Hofe in Berlin, einige Angaben über Personalveränderungen in der Pfarrei Delbrück, die Mitteilung, dass Colon Hüllmann 1862 zum Gemeindevorsteher gewählt wurde. Die Schule in Sudhagen wurde verkauft, die in Nordhagen abgebrochen und zum Bau einer neuen Schule für Nord- und Sudhagen verwendet.

Mehr Informationen gibt es dann über die Kriege 1864 gegen Dänemark (1864) und gegen Österreich (1866), wodurch Preußen um 6306 Quadratmeilen und 4 1/2 Millionen Einwohner wuchs. “Wir hatten hier wenig von diesem Krieg zu leiden, nur eine geringe Kriegssteuer musste gezahlt werden, weil die unterliegenden Herrscher die Kriegskosten zahlen mussten. An Todte hat unsere Gemeinde keine. Verwundet wurde Tegethof von Nordhagen am Fuße.”

Im Jahr darauf waren die Kornpreise niedrig, die Temperaturen hoch, in Delbrück wurden über 1000 Firmlinge gefirmt. 1869 tötete der Blitz bei Colon Jostmeier “ihr einziges 6jähriges Töchterchen am Tische in der Stube”.

Und noch ein Todesfall erregte die Leute. Landrat Grasso ist 1870 in Sudhagen im Haustenbach “an Colon Göstenmeiers Grundstück ertrunken”. Der Regierungspräsident Bodelschwingh aus Minden kam zu der grossen Beerdigung nach Delbrück. Wenige Wochen später hätte Landrat Grasso sein 50jähriges Dienstjubiläum feiern können.

Was in der Chronik nicht steht

Vergeblich sucht man in der Chronik einen Hinweis auf andere Ereignisse, die die Bewohner von Sudhagen damals sicher bewegt haben: es war die Zeit der Abwanderung der jungen Leute, teils in die wachsenden Industrieregionen an der Ruhr, dann vor allem nach Süd- und vor allem Nordamerika. Freilich wurde diese Abwanderung wohl auch überlagert von der Besserung der Lebensverhältnisse durch Melioration und Bewässerung, die vor allem in den Sandflächen der Boker Heide durch den Kanalbau seit 1850 möglich wurde. So nahmen dann gegen Ende des Jahrhunderts die Einwohnerzahlen auch in Hagen zu. Noch deutlicher wird dies bei den Zahlen für den Viehbestand. Der Rinderbestand in Hagen stieg von 360 im Jahre 1846 auf 732 im Jahre 1904. Ein weiteres Indiz ist eine Bemerkung über den Gesundheitszustand der Bevölkerung. Während die Chronik 1830 von einem besonders schweren Auftreten des “kalten Fiebers” spricht, ist später davon nicht mehr die Rede. Dies stimmt mit der Feststellung überein, dass diese gefährlichen Fieberkrankheiten, die der Malaria sehr ähnlich waren, in dieser Zeit deutlich zurückgegangen sind.

Was war in dieser Zeit erwähnenswert in der Chronik? Zu 1870 heißt es: “Das Wichtigste in diesem Jahre ist der Ausbruch eines großen und blutigen Krieges zwischen Frankreich und Deutschland……Für Deutschland war dies ein glorreicher Krieg, in welchem die deutschen Heere binnen 180 Tagen 156 mehr oder minder bedeutende Gefechte bestanden, 47 größere Schlachten geschlagen, 37 feste Plätze genommen, 1650 feindliche Offiziere und 363 000 Mann Gefangene gemacht, über 6780 Geschütze und 120 Adler oder Fahnen erbeutet haben. “

Für Hagen konnte der Chronist feststellen: “Wir haben von diesem Kriege nicht viel Leiden gehabt. Dank der Eisenbahn! Kriegssteuer ist noch nicht verlangt. Wir mußten nur für hülfsbedürftige Familienglieder der abmarschierenden Wehrmänner sorgen.” Aber am Ende waren es dann doch vier Soldaten aus Hagen, die im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gefallen sind.

Was blieb vom Ersten Weltkrieg?

1902 brachte den Eisenbahnanschluss Delbrück. Die Schule in Nordhagen wird in der Chronik einmal “Bahnhofschule” genannt, sonst spielt diese Verkehrserschließung in der Chronik keine Rolle.

Umso intensiver ist dann die Berichterstattung über den Ersten Weltkrieg mit ausführlichen Beschreibungen der jeweiligen militärischen Lage in den vier Kriegsjahren von 1914 bis 1918.

Was aber wird aus Hagen berichtet? Die Grubenbachgenossenschaft zur Bodenverbesserung in Nordhagen und dann auch die Haustenbachgenossenschaft werden gegründet und planen weitere Kultivierungen. Da war es gut, dass Kriegsgefangene angefordert werden konnten, die an die Arbeit gingen. Es wurden zwei Lager eingerichtet, das Lager Engelmeier mit 180 Mann und das Lager Stutenkämper mit 80 Mann. Beim Grubenbachausbau waren 400 Kriegsgefangene “aus allen Welttheilen” beteiligt. Auch der Bau der Straße Lippstadt-Delbrück konnte nun in Angriff genommen werden, solange Kriegsgefangene zur Verfügung standen. Und für die Zukunft wurde vorgesorgt: Für “die Grubenbach-Genossenschaft Sitz Hagen wurde das Strafgefangenenhaus gebaut für den Zweck, wenn der Krieg vorbei wäre, mit Strafgefangenen zu belegen, was uns der Oberstaatsanwalt versprochen hat, was auch eintraf.”

Nach den vielen siegreichen Schlachten kam das Ende des Krieges mit der bitteren Niederlage. Diese Schmach sollte auch in Sudhagen verstanden werden. “Die Truppen vergaßen die Fahne und alle Zucht und Ordnung” Und: “Erzberger folgt willenlos den Forderungen der Alliierten.” Es ist “nicht zu verstehen, dass wir jetzt arm sind in Deutschland.”

Die Armut wird unterschiedlich spürbar. In der Chronik steht die Klage: “Bei der Dreschmaschine stand ein Beamter bei und wiegt das Korn ab.”

In den Familien in Hagen fehlten viele: 38 Männer sind gefallen, 2 sind vermißt, 10 oder 11 kamen erst spät aus der Gefangenschaft, 28 waren verwundet.

Kirchenbau und Wahlen

Für Sudhagen aber bringt die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg trotz Not und Inflation wichtige Schritte zur Entwicklung als selbständige Gemeinde. Der lang gehegte Plan einer eigenen Kirche nimmt Gestalt an. 1923 wird der Grundstein gelegt. Am 15.7. 1924 sind alle Widerstände überwunden: der Pfarrer von Delbrück weiht die Kirche mit dem Patrozinium der heiligen Elisabeth und des heiligen Kaisers Heinrich. Bald wird auch der Turm fertiggestellt und schon 1928 können auch die Glocken geweiht werden. Die Schenkung mehrerer Grundstücke ermöglicht schließlich die Errichtung der Kirchengemeinde Sudhagen als selbständige Pfarrvikarie. Seit dem Sommer 1926 gibt es in Sudhagen einen eigenen Geistlichen. “Die Sudhagener haben es sich nicht nehmen lassen, die Einführung des neuen Vikars recht feierlich zu gestalten. Eine recht stattliche Anzahl Reiter und Radfahrer holten den neuen Vikar von der Grenze zwischen Dorfbauerschaft und Delbrück ab. Währenddessen setzte sich eine Prozession von der neuen Kirche aus mit wehenden Fahnen in Bewegung, um dem ersten Vikar in Sudhagen einen recht würdigen und feierlichen Einzug zu gewähren.”

Im politischen Leben treten nun auch in der Berichterstattung der Chronik die Wahlen in den Vordergrund.

Am 4. Mai 1924 sei es eine Wahl gewesen, wie “sie noch nie vorgekommen ist. Alles in Aufregung nicht allein in unserer Gemeinde, sondern überall…….Es macht der Zwiespalt zwischen Bauern und kleinen Leuten. Darum war der Kampf da.” Von den 488 in Hagen abgegebenen gültigen Stimmen entfielen auf das Zentrum 387 Stimmen, 76 auf die Christliche soziale Volksgemeinschaft, 15 auf die Deutschnationale Volkspartei. 3 wählten den Völkischen sozialen Block, 2 die Deutsche Volkspartei und 1 die Kommunistische Partei.

Für das Jahr 1928 berichtet die Chronik, dass die Steuerkraft Hagens ein gutes Stück gewachsen ist: Delbrück muß Kanalwiesen abgeben, die es sich zu Unrecht angeeignet hat. So wächst auch die Einwohnerzahl in Hagen von 1034 auf 1300. Jetzt wird verstärkt an den Wegen und Chausseen gebaut. Aber auch hier reicht das Geld nicht. In Paderborn kommen 10.000 Menschen zusammen, um gegen die Verschuldung in der Landwirtschaft zu protestieren. Da ist die Begeisterung über die Atlantiküberquerung deutscher Flieger (“und ein Ire”) nur eine vorübergehende Ablenkung.

Propagandaschlachten einer neuen Zeit

Die Arbeitslosigkeit steigt. Als im Januar 1933 auch in der Gemeinde Hagen der freiwillige Arbeitsdienst eingeführt wird mit 30 Mann, die im Gefangenenhaus wohnen und in Straßenbau eingesetzt werden, ist schon die Regierung Hitler an der Macht. Die Chronik stellt fest: “Diese Tat des Herrn Reichspräsidenten wurde von der deutschen Bevölkerung mit Jubel begrüßt.” Das hat Folgen auch in Sudhagen bei den Gemeindewahlen im Mai 1933: “Nach Tätigung der vorgeschriebenen Neuwahl wurde bei Stimmengleichheit der Abstimmungsberechtigten, dem Wunsche der neuen Regierung Rechnung tragend, der Pg.Anton Tilly vom Herrn Landrat v.Laer, Paderborn, zum 1.Mai 1933 als kommissarischer Vorsteher in der Gemeinde Hagen eingesetzt.”

Es begann nun die “Propagandaschlacht”. Jede Schule bekam erst einmal drei Fahnenmasten. Am ersten Mai gab es einen Propagandafackelzug. Das Erntedankfest wurde groß aufgezogen, freilich in Delbrück und als alte Vätersitte wurde ein großes Osterfeuer “in feierlicher Weise unter zahlreichen Beteiligung unserer Volksgenossen abgebrannt”.

Die Ortsgruppe des Reichsbauernstandes sorgt für ein neues Bewusstsein in der Landwirtschaft: 29 Gehöfte werden in die Erbhöferolle eingetragen. Auch im Taufbuch der Kirchengemeinde steht jetzt als Berufsbezeichnung “Erbhofbauer”. Überhaupt wird viel mit neuen Wörtern gearbeitet: “da die Gemeinde Hagen zu 95 – 97 % aus Bauern und Landwirten besteht, wurde nach den zeitigen Bestimmungen die Gemeinde Hagen als Bauerndorf erklärt”, und der Gemeindevorsteher hieß demnach von nun an “Dorfschulze”, die bisherigen Gemeindevertreter wurden zu “Gemeinderäten und Gemeindeschöffen”.

Aber man registrierte: die Arbeitslosigkeit sei von sechs auf vier Millionen zurückgegangen. So wird vielleicht verstehbar, dass bei der Volksabstimmung über die Politik des Führers am 12.Oktober 1933 von 616 in Hagen abgegebenen Stimmen 611 Ja-Stimmen waren. So steht es jedenfalls in der Chronik.

Dort wird aber auch deutlich, dass die Verfechter der nationalsozialistischen Politik in Sudhagen offenbar erhebliche Probleme hatten. Immer wieder musste der Parteigenosse Tilly gegen “Mießmacher und Meckerer” Stellung beziehen. Schließlich gab es in einem Zelt bei Tilly eine Propagandaversammlung zum Thema “Kampf den Mießmachern und Meckerern”, die dann am 24.Juni 1933 noch einmal auf dem Schulhof wiederholt wurde, wobei Landrat Homann als Redner “trotz der wenig zahlreichen Besucher….wohlverdienten reichen Beifall fand”.

Neue Sorgen, neuer Krieg

Dann aber wuchsen wieder die Sorgen. Die “Erzeugungsschlacht” in der Landwirtschaft sollte gewonnen werden. Der Reichsnährstand propagierte den Anbau von Öl und Gespinstpflanzen (Hanf statt Flachs!), den Silobau und eine andere Marktordnung. Die Hitlerjugend kam aus Münster und bezog ein Landdienstlager in Nordhagen.

Bald kam wieder der Krieg. Pastor Engemann versammelte im August 1939 die jungen Männer, die den Einberufungsbescheid bekommen hatten. Das Dorf bekam bis Ende November Einquartierung von einer Abteilung Schwere Artillerie aus Norddeutschland. Und es gab wieder ein Gefangenenlager in Nordhagen für 30 Polen, das 1940 in Sudhagen durch ein Lager “auf dem Hof Josef Ahlers für Franzosen” ergänzt wurde.

Später waren in beiden Lagern russische Gefangene. – Bei Niermann und bei Bürgermeister Sieweke wurden ständige Luftschutz-Nachtwachen eingerichtet, die mit je drei Mann besetzt wurden.

In der Chronik der politischen Gemeinde wurden, anders als in den vorhergehenden Kriegen, keine großen Berichte vom Frontverlauf mehr niedergeschrieben. Nur die Kriegsauszeichnungen sind sorgfältig festgehalten und ganz knapp die Zahlen der Gefallenen. In der Chronik der Kirchengemeinde füllte Pastor Engemann viele Seiten mit den Briefen, die an die Angehörigen der Gefallenen von den Truppenführern von der Front geschrieben wurden. Zum Schluss zählte man für Hagen 59 Gefallene und 34 Vermisste. Im Dorf selbst war es ein polnischer Arbeiter, der 1944 durch eine Bombe getötet wurde.

Als Kriegslasten empfand man die Aufnahme einer immer größer werdenden Zahl von Evakuierten aus den bombenbedrohten Gebieten, zu denen dann die Ausgebombten aus Paderborn kamen: “Auch unsere Gemeinde, obwohl schon ein recht beträchtlicher Teil aus Bottrop, Münster, Recklinghausen und Gelsenkirchen aufgenommen war, hatte noch eine recht ansehnliche Zahl aus Paderborn aufzunehmen. Im Ganzen waren in der Gemeinde 747 Evakuierte untergebracht.”

Gegen die drückende Last der Ablieferung wehrte man sich nicht zuletzt durch Schwarzschlachtungen.

Das führte 1944 zu einer für die Betroffenen bedrückenden Erfahrung, die auch in der Chronik als “Kriegsverbrechen” angeprangert wurde: in 15 Familien wurden Gefängnisstrafen zwischen 2 Monaten und 2 1/2 Jahren verhängt. Aber noch vor dem Ende dieser Strafen kam das Ende des Krieges.

Nach dem Kriege

Am Ostersonntag 1945 erreichten die amerikanischen Truppen Delbrück, eine Munitionsabteilung mit farbigen Soldaten wurde in Nordhagen stationiert. Die Unsicherheit wegen der Anwesenheit dieser Soldaten, vor allem aber der zunächst umherziehenden befreiten russischen Gefangenen war beträchtlich, – auch noch, als diese in Lagern in Lippstadt, Paderborn und Sennelager zusammengefasst wurden.

Die Normalisierung begann im Sommer mit der Einsetzung von Moritz Göstenkors als Bürgermeister. Neben der Unterbringung der immer noch Evakuierten und einer nun ständigen Zahl von Flüchtlingen und Vertriebenen war ein Hauptthema neben Plünderungen und der Knappheit an Brennmaterial und Düngemitteln die rigorose Handhabung der Ablieferungspflicht für fast alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Das Brotgetreide musste nach der Ernte 1946 restlos abgeliefert werden. Die Bauern bekamen keine Mahlkarten mehr, sondern mussten wie alle Leute das Brot auf Brotmarken kaufen.

In dieser Zeit wurden wieder Wahlen ausgeschrieben. Aber am 15.9.1946 gab es in Hagen nur die Kandidaten des Zentrums, die dann als neues Gemeindeparlament ohne Wahl ihr Mandat übernahmen. Zum ersten Mal taucht neben der weiter dominierenden Zentrumspartei ein Kandidat der CDU bei der Wahl am 17.Oktober 1948 auf. Inzwischen war die Währung auf die DM umgestellt. Aber schon im Jahr 1951 ist die “Klage über eine Verschlechterung der Lebensverhältnisse unüberhörbar”. ”Die Teuerung entstand durch die erhöhten Kohlenpreise sowie das Ansteigen der Arbeitslöhne und Erhöhung der Steuern, sowie nicht zuletzt durch die Unsicherheit im ganzen politischen und wirtschaftlichen Leben der Welt.”

Aber auch die Folgen der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung spiegeln sich in der Chronik: im Jahr 1953 sind aus Sudhagen drei Jugendliche bei Motorradunfällen tödlich verunglückt. Es war das Jahr, in dem die Krieger-Schützenbruderschaft gegründet wurde.

Neue Kräfte braucht das Land

In der Landwirtschaft macht sich der Arbeitskräftemangel bemerkbar, der durch den Sog der wachsenden Industrie entsteht. Dabei ist die Bevölkerung inzwischen (1956) auf 1387 Personen gewachsen. Davon sind 1279 Einheimische, 88 Vertriebene und 20 Evakuierte.

Die wirtschaftliche Umstellung wird immer mehr spürbar. In den landwirtschaftlichen Betrieben in Hagen stehen jetzt 25 Traktoren. Die Pferde verlieren ihre Bedeutung als Arbeitstiere. Die Spezialisierung scheint die einzige Möglichkeit zur Weiterführung der Landwirtschaft zu sein. Noch werden Kartoffeln angebaut. Es lohnt sich noch Zwischenfrüchte zu säen und zu pflegen (1958 sind “Steckrüben, Stippelrüben, Möhren – unter Roggen gesät – und Wicken infolge des milden Herbstes sehr gut geraten”). Aber bald übernimmt der Mais die führende Rolle, besonders als um 1979 das gleichzeitige Häckseln von Kolben und Blättern der Silage eine neue Qualität gibt. Doch noch ist es nicht so weit: das Jahr 1972 bringt einen wichtigen Einschnitt für Landschaft und Landwirtschaft in den Flächen an Kanal und Cappeler Graben: 122 Jahre nach dem Beginn der Arbeiten zur Bewässerung der Heidegebiete wird der Flößbetrieb eingestellt. Die Heuwirtschaft tritt zurück, die einstmals dürren Flächen werden als Ackerland bewirtschaftet.

Die aus der Landwirtschaft abwandernden Arbeitskräfte werden zunehmend von der wachsenden Industrie aufgenommen, wobei neben den Betrieben in Delbrück, Mantinghausen und Westenholz, den Delbrücker Firmen auch die großen Firmen in Paderborn (Nixdorf und Benteler) und Lippstadt (Hella und Rote Erde) viele Stellen anbieten. Die Straßen füllen sich mit Pendlern. In Hagen selbst sind es die Möbelhersteller Trienens, Schröder, Nolte und Brökelmann und der handwerkliche Tischlereibetrieb Schwarzenberg, die am wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben. Auf dem Gelände der ehemaligen Kanalschule arbeiten die Firma Antpöhler mit einer neu patentierten Florentiner-Anlage und Bo-Frost als Zulieferer von Tiefkühlgerichten.

Im Dorf bilden die Werkstätten Döinghaus (Schmiede, Produktion von Traktorsitzen, Heizungsbau, Elektro- und Sanitärinstallation, Tankstelle) sowie der Komplex Niermann (Bäckerei, Lebensmittel, Landhandel, Gastwirtschaft) den Ansatz für eine eigenständige wirtschaftliche Entwicklung. Es gibt eine eigene Post, ab 1972 auch eine Busverbindung mit Delbrück und Lippstadt.

Die Infrastruktur wächst

1958 wird in Sudhagen ein neuer Schulbau fertiggestellt, die Kirchengemeinde beginnt mit dem Bau eines Jugendheims. Von der Kanalsozietät werden 1959 4 Morgen Land gekauft und bis 1962 in ein Sportplatzgelände verwandelt. Die Weiterentwicklung von Sudhagen wird optimistisch beurteilt. Neue Bebauungspläne vom Brombeerweg bis zum Norden des Dorfes werden aufgestellt.

Die Sparkasse Delbrück und die Spadaka eröffnen 1965 gleichzeitig Filialen in Privathäusern an der Schlinger Straße und bauen bald eigene Gebäude an der “Hauptachse” des Dorfes. 1967 beginnen die Bauarbeiten für die Kanalisation und die Kläranlage am Haustenbach. Kräftig wird überall an den Straßen gebaut. Ein Jahr nach der großen Überschwemmung im Paderborner Land (1965) wird dann auch die Brücke in der Dorfmitte über den Haustenbach neu gebaut. 1967 brennt die erste Straßenbeleuchtung in Sudhagen, 1968 wird die neue Müllabfuhr beschlossen. Und es läuft alles auf den Bau einer leistungsfähigen Dorfhalle zu, die den notwendigen Raum für vielfältige Aktivitäten schafft, natürlich auch für die Schützenfeste, die oft genug fast im Wasser versunken wären. Dem Beschluss von 1970 folgt eine schnelle Realisierung: am 5.6.1971 findet die Einweihung der Mehrzweckhalle statt.

Denn in der Zwischenzeit hat sich vor allem ein reges Vereinsleben in Sudhagen entwickelt. Der Gründung der Schützenbruderschaft im Jahr 1953 folgt zwei Jahre später der Aufbau des Sportvereins, der im Rahmen der katholischen Sportbewegung DJK von der Kirchengemeinde ausgeht. An dem Einkehrtag, den die DJK am Dreifaltigkeitssonntag 1956 durchführte, nahm die Jugend des Dorfes fast geschlossen teil.

1963 wird die Frauen- und Müttergemeinschaft gegründet, die bald im Rahmen der kfd einen kräftigen Aufschwung nimmt. Im gleichen Jahr kommt zu den kirchlichen Festen ein weiterer Höhepunkt: die Heinrichsprozession. Aus dem Sportverein wächst der Fanfarenzug heraus, der später als Trompeterkorps in bunten Uniformen die Feste begleitet. Eine Gruppe der Katholischen Landjugendbewegung wird gegründet, die 1983 29 Mitglieder hat. Sing- und Tanzgruppen entstehen. Die Pfarrbücherei, aber auch die Caritas, die schon viel früher aktiv waren, wird in dieser Zeit neu belebt. Für die vielen Aktivitäten wird ein Pfarrheim notwendig, das 1958 neben der Kirche begonnen wird. Seit 1976 lädt die Kirchengemeinde Anfang September alle zwei Jahre das ganze Dorf zu einem fröhlichen Pfarrfest ein. da das Pfarrheim bald zu klein ist, wird es mit starker Unterstützung aus der Gemeinde durch viele freiwillige Arbeitsstunden und Spenden 1983 erweitert.

Eine größere Kirche in einem größeren Dorf

1969 beginnt ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Kirchengemeinde und damit auch des Ortes Sudhagen. Die kleine Dorfkirche wird zu einem großzügigen Gotteshaus im Sinne der Vorstellungen des Zweiten Vatikanischen Konzils erweitert. Am 1.Oktober 1970 kommt Erzbischof Lorenz Jaeger zur Einweihung.

Er kommt in ein Dorf, das in einem grundlegenden Wandel begriffen ist. Mitten zwischen den bisher weit verstreuten einzelnen Höfen und Hausgruppen entsteht in einem Netz neuer Straßen südlich vom Haustenbach eine schnell wachsende Siedlung. Wurden bisher die Häuser der nachfolgenden Generation als moderne Gebäude neben die alten Fachwerkhäuser gesetzt, so löst sich das Wohnumfeld der jungen Familien jetzt weitgehend von der traditionellen Wohnform. Geblieben ist die Entschlossenheit, mit der die jungen Menschen vor ihrer Hochzeit dafür sorgen wollen, dass sie im eigenen Haus wohnen können. Geblieben ist weitgehend auch die Bereitschaft der Geschwister und Nachbarn, beim Hausbau kräftig mitzuhelfen. Einen Höhepunkt erreicht die Bautätigkeit im Jahre 1979, als 23 Häuser bezogen werden können, 18 Häuser im Rohbau fast fertig und 3 begonnen sind.

Ein kommunales Programm, das das Bauland im Wesentlichen über die Gemeinde vermittelt, erlaubt maßvolle Baulandpreise, die 1968 bei 7,50 DM pro qm lagen.

Kinder, Kindergärten und streikende Eltern

Es gab immer mehr Häuser und auch immer mehr Einwohner, in der Gesamtgemeinde Hagen im Jahr 1966 1448 (noch immer werden Flüchtlinge und Evakuierte extra gezählt), im Jahr 1975 1730. Unter ihnen viele Kinder, für die es Kindergartenplätze und Schulen geben sollte. Im Jahr 1959 sind 35 Kinder geboren werden.

Ein erster Kindergarten wurde am 15.10.1968 in der Volksschule Nordhagen eröffnet, schon bald aber wieder geschlossen. In Sudhagen wurde dann am 31.8. der Kindergarten der Kirchengemeinde St. Elisabeth eingeweiht.

Er wurde zweizügig, später dreizügig geführt. Als dann weiterer Bedarf entstand, baute die Stadt Delbrück einen zweiten Kindergarten in Sudhagen, so dass ab 1997 insgesamt 100 Kindergartenplätze in Sudhagen zur Verfügung stehen.

Bei den Schulen gab es dramatische Entwicklungen. Als die Obernheideschule 1962 aufgehoben wurde, gab es wegen der Aufteilung der Kinder einen heftigen ersten Schulstreik. Die Kinder versammelten sich tagelang vor der verschlossenen Tür bis ein Kompromiss gefunden war. Sechs Jahre später wiederholte sich die Szene.

Die Kanalschule, die 1960 erst neu gebaut worden war, wurde bald in Frage gestellt. 1966 wurde das 5.bis 8.Schuljahr von der Kanalschule in die Kirchschule versetzt. Die neue Schulgesetzgebung brachte es dann mit sich, dass die Hauptschüler nach Delbrück gefahren werden sollten. Am 9.9.1968 kam der Bus, um die Schüler abzuholen, aber diese stiegen nicht ein. Drei Wochen hat dieser zweite Schulstreik gedauert bis alles sich wieder beruhigte. Die “Katholische Grundschule Hagen” wurde später erweitert und hat nun genug Platz für den Schulbetrieb in zunächst acht, jetzt noch sechs Zügen, und außerdem für den Schießstand der Schützen im Dachgeschoß.

Ein Teil von Delbrück

Zwei Ereignisse sind mit dem Jahr 1975 verbunden. Im Gedächtnis ist der Absturz eines Hubschraubers der amerikanischen Streitkräfte auf einem Feld des Hofes Kenkenberg, bei dem am 26.September 16 Soldaten starben. An dem Gedenkstein, der ein Jahr später gesetzt wurde, versammelten sich 25 Jahre später eine Ehrenformation der US-Luftwaffe, die Abordnungen vieler Verbände aus Delbrück und Sudhagen und viele Bürger um nach einem ökumenischen Gottesdienst in der Kirche der Toten zu gedenken.

1975 war aber auch das Jahr, an dessen Anfang die Gemeinde Hagen durch die Gebietsreform im ganzen Land Nordrhein-Westfalen in die Stadt Delbrück eingegliedert. Sie wurde damit einer von zehn Ortsteilen der neuen Großgemeinde, in der nun bald 28.000 Einwohner lebten. Ein sicher einschneidendes Ereignis, das aber in der Ortschronik kaum Spuren hinterlassen hat.

Auch ohne kommunale Neugliederung zeigt sich gegen Ende des 20.Jahrhunderts immer deutlicher, dass sich für ein Dorf wie Sudhagen die Frage stellt, wie es durch eine ausreichende Daseinsvorsorge und ein erkennbares Profil auch in Zukunft den hier Aufwachsenden und Wohnenden Heimat sein kann. Daran zu arbeiten, ist Aufgabe des “Heimatvereins”, der im Delbrücker Land als Zusammenschluss aller Verbände im Ort an die Stelle der sonst eher üblichen Ortsvorsteher getreten ist. Viele Aufgaben hat der Sudhäger Heimatverein zusammen mit dem Ortsheimatbeauftragten schon übernommen. Die Pflege der Landschaft, die Herrichtung von Wanderwegen, die Unterhaltung der viel genutzten “Heimathütte” sind dafür nur einige Beispiele.

Vieles, wie die Durchsetzung weiterer Baumöglichkeiten in Sudhagen muss der Kommunalpolitik überlassen bleiben. Die Wahl für den Stadtrat Delbrück erbrachte im Stimmbezirk 7 (Sudhagen) am 12.9.1999 folgendes Ergebnis: 64,82 % CDU, 10,13 % SPD, 16,69 % FDP, 5,35 % GABI (Grüne).

Auf dem Weg in die Zukunft

Viel hängt von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung ab. Der Rückgang der Verkaufszahlen in der hier dominierenden Möbelindustrie macht sich durch Kurzarbeit und Entlassungen bemerkbar. Heimische Firmen gaben auf (Trienens), andere wanderten ab (bo-frost nach Westenholz). Der Konzentrationsprozeß in der Landwirtschaft geht weiter. Es gibt nur noch wenige Vollerwerbsbetriebe. Viehseuchen haben in der Rindermast, in der Schweinehaltung und in der Geflügelzucht zu weiteren Rückgängen geführt. Neue Betriebszweige wie die Bauerncafés fassen auch in Sudhagen Fuß. Sicher weniger eine Garantie für wirtschaftlichen Erfolg als ein Zeichen für die Bereitschaft und Fähigkeit, neue Wege zu gehen und so die Zukunft zu sichern.

Dies gilt für alle Bereiche des Lebens, nicht zuletzt für die Kirche, die weiterhin bei allen Veränderungen “mitten im Dorf” steht. Mit dem Jahr 2003 beginnt für die Gemeinden St. Johann Baptist Delbrück und St. Elisabeth Sudhagen der Pastoralverbund, der dazu helfen soll, dass die Kraft des Glaubens den Menschen im Wandel der Zeit nahe sein kann.

So versammelte sich am 19.November 2002 das ganze Dorf ganz selbstverständlich vor der Kirche, als Sudhagen in der Sendung “Dorfplatz Schlag 10” ins Fernsehen kam. Die Schützen und der gerade erst gegründete Karnevalsverein, die Kinder aus den Kindergärten und der Schule, die DJK-Sportler und die Landfrauen und viele andere waren die fröhliche Kulisse für den Blick auf einen bei allen Problemen zukunftsfähigen Ort. Wenn dabei der Ortsheimatpfleger noch einmal auf die besondere Armut in der Vergangenheit hinwies, so zeigten die Menschen, die an diesem Morgen aus ihren schönen Häusern gekommen waren, dass Sudhagen für sie alle gesicherte Heimat in einer hoffentlich friedvollen Zukunft sein soll.

Die Schützen waren mit Fahne und mannstark im Fernsehen dabei und werden sicher ihren Einsatz auch bei der weiteren Entwicklung des Lebens in Sudhagen zeigen.

Nordhagen & Sudhagen

2021

Mitte Februar sorgten reichlich Schneefall und zweistellige Minustemperaturen nach milden Wintern der Vorjahre für eine Winterlandschaft. Die Vorräte an Schneeschiebern waren in sämtlichen Delbrücker Geschäften ausverkauft.

Mitte Juni wurde durch Starkregen unter anderem das Ahrtal durch eine Flutkatastrophe verwüstet. Aufgrund freundschaftlicher Beziehungen von Sudhagenern und Schützen zu Familien in Ehlingen und Königsfeld lösten die Nachrichten große Hilfsbereitschaft aus. Durch Initiative von Georg Hils kam bei der Spendensammlung der Schützenbruderschaft in kurzer Zeit EUR 5.500 für bedürftige Familien in Ehlingen zusammen.

Die Einwohnerzahl Delbrücks betrug Ende 2021 32.046 Personen, davon wohnen 2.515 in Nord- und Sudhagen. Viele Neubauten in den Baugebieten Hagebuchenweg und Akazienweg sorgen mit Zuzug von jungen Familien für Nachfrage nach weiteren Kindergartenplätzen. Mit Containern für zusätzliche Gruppen am katholischen und städtischen Kindergarten und einem weiteren geplanten Neubau des 3. Kindergartens im Baugebiet nördlich der Rixelstraße wird hier für Abhilfe gesorgt.

Über mehrere Monate war die Ortsdurchfahrt über die Schlinger Straße gesperrt. Im Bereich Buchsbaumweg wurde eine barrierefreie Bushaltestelle errichtet, wofür künftig die Haltestelle Lindenhof entfällt. Im Bereich Rixelstraße wurde ein Kanalstück und der Radweg zum Friedhofsweg erneuert und weiter nördlich im Bereich Obernheideweg eine neue Gasleitung verlegt. Außerdem hat die Kirchengemeinde das Dach der St. Elisabeth-Kirche erneuert und das Außengelände neu gepflastert, sodass ein Zugang zur Kirche ohne Stufen möglich wird. An der Sudhagener Straße wurde das letzte Teilstück des Radweges nach Mantinghausen freigegeben. Der 3. Bauabschnitt des Radweges hat 460.000 Euro gekostet und wurde zu 90 % aus Fördergeldern finanziert.

Für das ehemalige Nolte-Areal wurden neue Pläne für eine Logistikhalle mit einer Größe von 21.000 qm vorgestellt. Die Bauarbeiten der HHK Immobilien GmbH sollen im Jahr 2022 beginnen.

Bei den Wahlen zum Deutschen Bundestag wurden in Hagen von den 1.945 Wahlberechtigten Bürgern insgesamt 948 Stimmen abgegeben. Die Wahlbeteiligung betrug 48,76 %. Die Zweitstimmen verteilten sich auf CDU 460 (49,15 %) SPD 181 (19,34 %), FDP 113 (12,07 %), Grüne 76 (8,12 %) und AfD 58 (6,2 %).

Die Auswirkungen der Corona Pandemie waren weiter deutlich zu spüren. Nach Rückgang der Inzidenzwerte im Sommer wurden einige Lockerungen begrüßt. So konnte wieder Sport betrieben werden und im August war für den Schützenverein in kleinem Rahmen ein Mini-Schützenfest möglich. Mit einem Ausmarsch zur Heimathütte wurden Ehrungen und Beförderungen nach einem Feldgottesdienst vergeben.

Unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln waren auch Mitgliederversammlungen von Sportverein Schützenverein und Heimatverein in der Mehrzweckhalle möglich. In der Versammlung des Heimatverein wurde die Aufgabe des Ortschronisten für den Ort Hagen an Wilfried Wolke übertragen. Zuvor hatte Meinolf Hüllmann die Chronik 34 Jahre lang geführt.

Der Gottesdienstbesuch war in der St. Elisabeth-Kirche lediglich für 36 Sitzplätze freigegeben. Trotz fortschreitender Impfung auch mit der 3. Impfe stiegen zum Herbst und Winter die Inzidenzzahlen in der mittlerweile 4. Infektionswelle wieder deutlich an, sodass Mitgliederversammlung und Winterball der Schützen sowie die Karnevalssitzung 2022 bereits abgesagt wurden.

2020

 

Ortschronik 2020