Unter großer Beteiligung von Schützen, Feuerwehr, Angehörigen der Verstorbenen und interessierten Bürgern fand in Sudhagen eine würdige Gedenkfeier des 50. Jahrestages des Hubschrauberabsturzes aus 1975 statt.
Das Westfalen-Blatt schrieb dazu:
50 Jahre nach Hubschrauberabsturz
„Auch mein Herz ist in Sudhagen gebrochen“
Delbrück. Vor 50 Jahren ist ein Transporthubschrauber vom Typ Sikorsky CH-53A der US-Airforce in Sudhagen abgestürzt. 16 junge Amerikaner starben. Am Freitagabend (26. September) fand an der Unglücksstelle eine sehr emotionale und beeindruckende Gedenkfeier statt.
(Von Petra Göbel WV)
Rund 35 Verwandte der verstorbenen US-Soldaten nahmen an der Gedenkstunde an der Rieger Straße teil. Sie kamen aus Alabama, Colorado, Wisconsin und Kalifornien. Die Veranstaltung fand auf Initiative des Delbrücker Ehren-Stadtbrandmeisters Johannes Grothoff statt. MdL Bernhard Hoppe-Biermeyer unterstützte ihn im Vorfeld tatkräftig und fungierte vor Ort auch als Übersetzer.
Desi Elder Gibson ist aus Alabama angereist. Ihr Vater war unter den Opfern. Er hieß Ronald Elder, sein Name findet sich auch auf dem Gedenkstein an der Absturzstelle wieder. „Ich war 16 Jahre alt, als die Military Police kam und uns die Nachricht vom Unfall überbrachte. Meine Familie und ich waren zu der Zeit in Wiesbaden stationiert. Es war kein gutes Alter für den Verlust des Vaters“, sagt sie. Aber sie ist heute happy, die rund 35 Verwandten kennenzulernen, die ebenfalls einen geliebten Menschen verloren haben. „Es fühlt sich an, als wäre jetzt etwas abgeschlossen. Wir haben vorher nie mit den Leuten gesprochen, die unser Schicksal teilen. Das fühlt sich gut an!
Zeitzeugen berichten: Hermann-Josef Ahlers wohnt heute wie damals in Sudhagen. Im Büro hörte er am Unglückstag Martinshorn von Polizei und Feuerwehr. Ungewöhnlich intensiv für Sudhagen. „Da war mir schon klar, dass etwas Schlimmes passiert sein musste. Es gab ja noch keine Handys und die Informationen kamen nur zögerlich. Für unsere kleine Gemeinde war das der schlimmste Unfall des Jahrhunderts“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.
Margret Piper aus Anreppen arbeitete damals bei der Firma Nolte, die in unmittelbarer Nähe des Unfallortes ihren Sitz hatte. „Wir hörten im Büro den Hubschrauber und hatten gleich den Eindruck, dass er komische Geräusche macht. Aus dem Fenster heraus konnten wir ihn dann auch sehen, er lag etwas schräg in der Luft, bevor er auf die Erde knallte. Dann sahen wir nur noch schwarzen Rauch. Das war ein Tag in meinem Leben, den ich nie vergesse“.
Das offizielle Programm der Gedenkfeier begann am Ehrenmal in Sudhagen. Hubert Meiwes, Oberstleutnant der Delbrücker Schützen, eröffnete die Veranstaltung und Johannes Grothoff übersetzte für die amerikanischen Gäste. Er war zum Zeitpunkt des Unfalls zwölf Jahre alt und saß in der Schule, schaute aus dem Fenster und rief plötzlich „Frau Eblenkamp, ich glaube, da stürzt gerade ein Hubschrauber ab.“ Die Lehrerin konnte es nicht glauben, aber schnell wurde klar, er hatte recht.
Nach einer kurzen Ansprache ging es zu Fuß zur Absturzstelle des Hubschraubers in der Rieger Straße. Für die musikalische Begleitung sorgten die Stadtkapelle und der Tambourcorps Delbrück sowie der Schützenmusikzug Sudhagen.
Am Gedenkstein, auf dem die 16 Namen der toten Soldaten stehen, wurde die amerikanische Nationalhymne gespielt. Diakon Rudolf Voss begrüßte die Menschen und begann mit der ersten Festrede. „See you later”, bis später – so haben sich die jungen Leute von ihrer Familie verabschiedet. Sie haben sich nie wieder gesehen. Das wirft Fragen auf an einen Gott, den wir manchmal nicht verstehen“, so Voss. Fragen, auf die es keine Antwort gibt. Und es gab damals wenig Hilfe, für Feuerwehrleute und Polizei, die sich diesem Grauen stellen und helfen mussten. Voss’ Appell ist, Menschen bei traumatischen Einsätzen besser zu unterstützen. Ein Gebet, das alle verbindet, ist das Vaterunser, das am Ende seiner Rede zweisprachig von allen Anwesenden gebetet wurde.
Dann begrüßte Bürgermeister Werner Peitz die Gäste und sprach sein Mitgefühl aus. Er rekapitulierte das Geschehen und erinnerte daran, wie zerbrechlich das Leben ist. Die Verstorbenen seien nicht einfach eine anonyme Zahl in den Geschichtsbüchern gewesen. „Sie waren Söhne, Brüder, Ehemänner und Freunde, ihr Tod hinterlässt einen tiefen Schmerz.“ Landrat Christoph Rüther betonte in seinem Grußwort, dass aus der militärischen Präsenz der USA nach dem Zweiten Weltkrieg eine echte Partnerschaft wurde, eine deutsch-amerikanische Freundschaft, die die Staaten bis heute verbinde.
Auch Generalkonsulin Preeti V. Shah vom US-Generalkonsulat Düsseldorf, sprach ihr Mitgefühl aus. Vor allem dankte sie den Hinterbliebenen. Ihre Präsenz sei ein Beweis dafür, dass über den Ozean und die Generationen hinweg, das Band der Liebe und der Erinnerung nicht gerissen sei. Josef Hovenjürgen, Staatssekretär im NRW-Heimatministerium, sprach ebenfalls sein Beileid aus: „Möge die Erinnerung an die Opfer uns mahnen und möge sie uns zugleich ermutigen, in Treue zueinander für Frieden, Freiheit und Freundschaft einzutreten.“
Zum Schluss ergriff Linda Stewart aus den USA, stellvertretend für alle amerikanischen Gäste, das Wort. Sie hat auf dieser Wiese vor 50 Jahren ihren Vater verloren und sie sagte, dass sie auch ihr gebrochenes Herz in Sudhagen gelassen habe. Heute sei ihr Herz geheilt, geholfen habe ihr dabei ein Gedicht, das sie vor vielen Jahren in tiefer Trauer geschrieben habe. „Flüstern“ heißen die Zeilen auf Deutsch und sichtlich ergriffen trug sie es vor.
Alle Rednerinnen und Redner waren sich einig: Die Opfer sind nicht vergessen. Und auch nicht vergessen sind die vielen Ersthelfer, Nachbarn und Feuerwehrleute, die am Unfallort geholfen haben. Einige können bis heute nicht darüber sprechen. Ihnen wurde am Freitag ein großer Dank für ihren Einsatz ausgesprochen. Ein sehr bewegender Abend mit Kranzniederlegung, „Großem Zapfenstreich“ und der Deutschen Nationalhymne.











